Kollision im Morgengrauen

Die „Altonaer Nachrichten“ brachten in ihrer Morgenausgabe vom 26. Oktober 1898 folgende Notiz:

Der heute Morgen um 5 Uhr von King Lynn hier eingetroffene englische Kohlendampfer „Jangermünde“ hat bei Nienstedten einen kreuzenden Ewer überrannt, welcher mitten im Fahrwasser sank. Die Mannschaft des gesunkenen Ewers wurde seitens der „Jangermünde“ aufgenommen und nach hierher gebracht.
Kurze Zeit nach der vorstehend geschilderten Collision erfolgte bei Neumühlen zwischen dem von Schields aufkommenden englischen Kohlendampfer „Harmonie“ und dem Ewer „Margareta“ des Schiffers Ecks aus Buxtehude ein Zusammenstoß, wobei dem Letzteren die Masten abgebrochen wurden. Das schwer lecke Schiff ist im sinkenden Zustande auf den Strand gesetzt worden.

 

Aus dem im Original vorliegenden Bericht des Schiffers Ecks ersieht man, wie unterschiedlich beide Berichte sind und von einander abweichen.

Bericht des Schiffers Nikolaus Ecks über die Collision des Ewers „Margareta“ mit „S/S „Harmonie“ am 25. Oct. 1898:

Am 25. October 1898 morgens gegen 3 Uhr fuhr ich mit meinem Ewer „Margareta“, beladen mit 600 Ctr. Mais, welche ich nach Buxtehude bringen sollte, elbabwärts. Es war Ebbe, und es wehte eine frische Kühlt aus südlicher Richtung. Die Luft war fernsichtig.

Außer mir befand sich mein Bruder als Steuermann an Bord. Als wir in der Nähe von Teufelsbrücke bei der Leuchtboje angekommen waren, bemerkte ich recht voraus die Lichter eines aufkommenden Dampfers.

Der Wind war dann so, dass ich über Steuerbordbug den Cours halten konnte. Als wir uns dann bis auf eine Entfernung von 3 – 4 Schiffslängen genähert hatten, fiel der Dampfer nach Süden ab, das grüne Land verschwand, und ich gab Backbord.

Gleich darauf, als mein Ewer eben abfiel, gab der Dampfer wieder Steuerbord und die Folge davon war, dass der Dampfer meinen Ewer vorne am Bug traf.

Die Collision war so heftig, dass ich dachte, der Ewer würde sinken, weshalb ich schnell mein Boot aufholte und mit meinem Bruder hineinstieg. Als ich dann aber sah, dass der Ewer nicht sank, gingen wir wieder an Bord und setzten denselben auf Grund Strand .

Hier erkannten wir, dass das Fahrzeug vom an Backbord schwer beschädigt, dass es aber sonst dichtgeblieben war.

Der Dampfer, der sich nachher als Dampfer „Harmonie“ herausstellte, hatte nachher gestoppt, und der Lootse kam mit dem Schiffsboot bei mir längstseite, um sich zu erkundigen, ob ich Schaden erlitten hätte.

Ich bin bei der Collision am Bein und an der Hand verwundet worden. Nachdem ich mich überzeugt (hatte), dass folgendes ohne Gefahr geschehen konnte, und ich bezüglich Absprache mit meinem Assecuranteur getroffen hatte, habe ich nachher meinen Ewer vom Strand herunter gebracht und durch einen Schleppdampfer nach seinem  Bestimmungsort schleppen lassen.

Hamburg, 26 October 1898

 

Nach dem Löschen der Ladung in Buxtehude wurde der Ewer auf die Hamburger Werft von Günther & Götze auf dem kleinen Grasbrook gebracht.

Von welch guter Qualität der Ewer ist, sieht man daran, dass er diese Kollision und noch weitere  überstanden hat. Wie groß die Beschädigung im Jahre 1898 war, erkennt man daran, dass einem Neubaupreis von 5.150,– Goldmark die Reparaturkosten von 1.956,25 Goldmark gegenüberstanden.

Nach ca. 3 Wochen war die Reparatur beendet und die Rechnung vom 19. November wurde am 23. November 1898 bar bezahlt.

Quelle: Stadtarchiv Buxtehude, aus den Aufzeichnungen von Ewald Martens.

Kollision im Morgengrauen